Catstick® System

Die ausführliche Beschreibung:

Die heute bei den großen Catamaran-Regatten verwendeten Yardstickzahlen werden dem tatsächlichen Geschwindigkeitspotential nur ungenügend gerecht. Ob Portsmouth-Yardstick, Texel-Yardstick oder Mischform in den verschiedensten Ausführungen, die Geschwindigkeitsunterschiede bei verschiedenen Windbedingungen sind einfach zu groß.
Gute Yardstick-Zahlen basieren auf der Erfahrung viele Regatten. Der Verfasser hat in der Vergangenheit sehr viele dieser Yardstick-Regatten selbst mitgesegelt und sich seit längerem Gedanken überein genaueres System gemacht. Als dann 1988 in Texel (der Texel-Yardstick hatte für die meisten Catamarane eine brauchbare Handicapzahlen) begonnen wurde, Newcomer aufgrund einer äußerst dubiosen Formel mit neuen Yardstick-Zahlen zu versehen, sah sich der Verfasser veranlaßt, das neue Catstick-System auszuarbeiten.
Dabei mußten folgende Nachteile der bekannten Yardstick-Syteme vermieden werden:

1. Windstärke

Die Windstärke wird bei bestehenden Yardstick-Systemen nicht berücksichtigt.

Bei Catstick:

Abhängig von verschiedenen konstruktiven Kriterien (ganz besonders vom Leistungsgewicht) fahren Catamarane - wie alle Segelfahrzeuge - bei verschiedenen Windstärken im Verhältnis zueinander sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten. Schwere und untertakelte Catamarane sind bei Starkwind im Verhältnis zu leichten und übertakelten Catamaranen im Vorteil, bei leichtem Wind ist es genau umgekehrt. Das kann mit nur einer Durchschnitts-Handicap-Zahl nicht ausgedrückt werden. Catstick besteht deshalb aus drei Zahlen für die wichtigsten Windkriterien (Leichtwind, Mittelwind, Starkwind). Nachdem heute fast alle Regattaergebnisse mit Computerprogrammen errechnet werden, ist der rechnerische Aufwand leicht zu bewältigen.

2. Windstärken-Änderung

Eine Windstärkenänderung wird bei bestehenden Yardstick-Systemen nicht berücksichtigt.

Bei Catstick:

Durch einfaches Messen der Windgeschwindigkeit bei sich deutlich ändernden Windbedingungen und Notieren der entsprechenden Zeit kann auch sich während einer Regatta ändernden Windbedingungen Rechnung getragen werden. Speziell bi Regatten, während der sich die Windbedingungen mehrfach ändern, trägt Catstick ganz wesentlich zu einer genaueren Bewertung bei.

3. Feinabstimmung

Eine Feinabstimmung ist bei den meisten bestehenden Yardstick-Systemen aufgrund der geringen Nummerndifferenz nur begrenzt möglich.

Bei Catstick:

Bei den bekannten Yardstick-Systemen - ganz speziell beim Portsmouth-Yardstick - ist der Abstand zwischen den verschiedenen Catamarantypen zu eng, um eine ausreichend präzise Abstimmung zu ermöglichen (z.B. A-Cat = 81 zu Dart 18 = 84, das sind nur drei Punkte Unterschied). Catstick hat vierstellige Zahlen mit ausreichendem Abstand nach oben und unten für eine genaue Bewertung (z.B. zwischen A-Kat und Dart 18 bei Mittelwind 180 Punkte).

4. Newcomer

Eine Neueinteilung neuer Bootstypen für Yardstick-Regatten war bisher äußerst problematisch, eine Formel ist ganz sicher der falsche Weg.

Bei Catstick:

Die Neuzuteilung von Yardstick-Zahlen ist für alle Yardstick-Systeme außerordentlich problematisch, da die Zahlen ja auf Erfahrung basieren. Das hat zu teilweise kuriosen Beurteilungskriterien geführt (zum Teil recht willkürlich) bis hin zu einer ellenlangen Formel (Texel), die sehr fragwürdig ist und jedes Jahr erneut Verstimmung und hitzige Debatten auslöst. Catstick konnte dieses Problem auch noch nicht endgültig lösen. Jedoch kann es durch eine eindeutige, einfach zu kontrollierende und praxisgerechte Bemessungsgrundlage die Einteilung erheblich verbessern.
Alle neu einzustufenden Catamarane werden bei Catstick nach dem Leistungsgewicht eingeordnet. Das heißt, daß die vorläufigen Catstick-Zahlen eines Newcomers die eines bereits bekannten und vergleichbaren Catamarans mit vergleichbarem Leistungsgewicht sind (oder in dessen Nähe). Deshalb ist es erforderlich, das Leistungsgewicht durch Wiegen des segelklaren Bootes und genaues Vrmessen der Segel zu ermitteln.
Sind verkaufsfördernde Schummeleien zu befürchten, sollte sofort nach Beendigung einer Wettfahrt bei den ersten Catamaranen das Gewicht des segelklaren Bootes (trocken!) überprüft werden. Der Steuermann unterschreibt bei der Registrierung, daß sein Catamaran dem Serien-Zustand entspricht und mit der vorgesehenen Personenzahl gesegelt wird. Ist dies nicht der Fall, so muß der Catamaran nachvermessen und wie ein Newcomer behandelt werden.
Wird erst nach einer Regatta festgestellt, daß ein Catamaran nicht dem Serienzustand entspricht (z.B. zu geringes Leistungsgewicht), wird er sofort disqualifiziert. Ist das Leistungsgewicht allerdings über dem Serienschnitt, bleibt dies unberücksichtigt.

5. Zusatzsegel (Spi, Reacher, Blister usw.)

Dem zunehmenden Trend, auch bei Catamaranregatten Zusatzsegel zu fahren, trägt die Catstick-Tabelle durch Zusatzspalten Rechnung, in die eingetragen wird, um wieviel die Catstick-Zahl bei der jeweiligen Windstärke reduziert wird, wenn ein Zusatzsegel gefahren wird.
Auf eine Fixierung der Größe der Zusatzsegel wurde vorerst verzichtet, da die Entwicklung erst am Anfang steht.

6. Korrektur der Catstick-Zahlen

Wie alle Yardstick-Systeme sollen auch die Catstick-Zahlen mit jeder Regatta überprüft werden. Um jedoch Abweichungen, die erfahrungsgemäß nicht richtig sind, zu vermeiden, sollte nur sehr vorsichtig und bei größerer Beteiligung gleicher Typen korrigiert werden.
Auch ist es sinnvoll, nur dann die Zeit des ersten Bootes zur Korrektur heranzuziehen, wenn weitere Boote des gleichen Typs in nicht zu großem Abstand folgen. Ist der Abstand zu groß, sollte das Mittel der Zeit zwischen dem Ersten und dem Zweiten genommen werden und zusätzlich das Leistungsgewicht des Ersten überprüft werden.

Die Formel:

Berechnete Zeit =  
Anteil bei LW gesegelter Zeit * 1000
LW Zahl - Spi Zahl LW
 
+
Anteil bei MW gesegelter Zeit * 1000
MW Zahl - Spi Zahl MW
 
+
Anteil bei SW gesegelter Zeit * 1000
SW Zahl - Spi Zahl SW

7. Auswertung

Marcus Viefeld hat mit Unterstützung von Normann Strack ein Rechenprogramm auf der Homepage des DSV installiert mit sehr unkomplizierter Menueführung, das wir sehr empfehlen. Dabei kann die Eingabe der Daten offline erfolgen, sodaß nur die kurzen Rechenzeiten online sind. Die Catstickzahlen sind immer auf dem aktuellsten Stand.

8. Zusammenfassung

Ein Yardstick-System ist dann korrekt, wenn unter den ersten 10 Plätzen - auch bei unterschiedlichen Windbedingungen - der jeweils erste der in größerer Meldezahl vertretenen Klasse zu finden ist. Mit dem Catstick-System ist das sehr gut zu erreichen. Es wurde unter der Mitarbeit von Normann Strack eine Vielzahl bekannter Catamaranregatten mit dem Catstick nachgerechnet, die vor allem durch schwierige Windbedingungen bekannt geworden sind (u.a. Fehmarn '89, Texel '87 und '88, Cesenatico '89). Des Ergebnis zeigt jedesmal unter den ersten Plätzen ein viel ausgeglicheneres Ergebnis.
Nach Ansicht des Verfassers Klaus Enzmann ist ein international einheitliches und gerechteres Yardstick-Sytem dringend erforderlich. Es wäre erfreulich, wenn sich Vereine, die Catamaranregatten ausrichten, bald dem Catstick-System anschließen würden. Klaus Enzmann steht gern für Informationen zur Verfügung (Tel. 089 / 857 56 31).

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Erstellt von Marcus Viefeld / Fast Internet For Individuals